Fort nach Zuhause
Und wieder macht er sich auf den Weg. Streift ab, was ihn hält. Und gleitet hinaus in die Nacht.
Ich komme
Sagt er sich. Und beschleunigt seinen Gang. Durchquert Flure und Türen. Dann atmet er kühle Nachtluft. Verlässt sein Grundstück. Schwarzer Asphalt unter seinen Schuhen. Er geht weiter. Passiert dunkle Häuser mit beleuchteten Fenstern. Er sieht sie nicht. Geht einfach weiter.
Vorbei an Feldern, Wiesen und Wäldern. An Menschen, die lachen, weinen, die ihn rufen. Er hört sie nicht. Ein Fuß vor den anderen. Ohne Rast. Das Ziehen in seiner Brust erlaubt keine Pause.
Meine Heimat liegt schon weit zurück
Denkt er sich. Aber je weiter er sich von seiner Heimat entfernt, desto näher kommt er seinem Zuhause. Und auf dem Weg dorthin durchquert er Dörfer. Lässt Städte hinter sich und durchschreitet ganze Länder.
Seine Füße werden schwer, doch es zieht ihn weiter. Ein Ruf, dem er nicht widerstehen kann. Der ihn ausfüllt. Ihn beherrscht.
Komm zu mir
Hört er sie. Und er folgt dem Ruf. Bis an die Grenze des Kontinents und darüber hinaus. Durchquert Ozeane und betritt neues Land. Fremdes Land. Fremde Menschen in fremden Städten kreuzen seinen Weg. Ein Weg, der ihn zu ihr führt. Der ihn nach Hause führt. Mit jedem Schritt wird ihre Stimme lauter. Die Worte klarer. Das Ziehen stärker. Er blickt zum Himmel.
Noch nicht
Wünscht er sich. Das Schwarz wird heller, blauer. Er sieht ihr Haus in der Ferne. Ein dunkles Haus mit beleuchteten Fenstern. Und er sieht sie. Wartend. Auf ihn. Noch einmal beschleunigt er seine Schritte. Streckt die Hand aus. Will sie greifen. Da blitzt es golden durch die Häuser. Er spürt die Wärme vom ersten Sonnenstrahl des Tages.
Die Hand noch immer ausgestreckt sieht er zu, wie sie verschwindet. Sieht das Haus kleiner werden, als er zurückgezogen wird. Zurück durch Länder, Städte und Dörfer. Vorbei an Wäldern, Wiesen und Feldern. Hinein durch Türen und Flure. Zurück in sein Zimmer. Zurück in seinen Körper. Wie an jedem Ende einer Nacht.
Vielleicht morgen
Ermutigt er sich.