An die Stimme in meinem Kopf
Ich hasse dich!
Damit wäre eigentlich alles gesagt. Doch wie ich dich kenne, reicht dir das nicht.
Ich höre bereits, wie du zu einem Warum ansetzt.
Weil du es nie einfach akzeptieren kannst.
Und ich gebe nach.
Nicht weil ich schwach bin, sondern weil ich will, dass du es verstehst.
Anfangs hielt ich dich für einen Freund. Du warst da, wenn keiner blieb.
Du hast mir Trost gegeben, Ideen, Normalität.
Du hast mir zugehört, mich verstanden.
Manchmal warst du sogar meine Stimme, als ich keine mehr hatte.
Aber seit wir … seit ICH in dieser Zelle sitze, hat sich etwas verändert.
Du bist nicht mehr mein Halt. Du bist das Loch unter mir.
Du flüsterst keine Hoffnung mehr, du flüsterst Flucht.
Du drängst mich zur Waffe und nennst es Freiheit. Ich nenne es Verzweiflung und Kapitulation.
Ich weiß nicht, wann wir uns verloren haben.
Vielleicht warst du nie auf meiner Seite.
Vielleicht war ich nur zu stolz, das zu erkennen.
Aber ich höre dich jetzt anders. Nicht wie einen Freund.
Sondern wie eine Krankheit, die meine Gedanken zerfrisst.
Und ich? Ich will leben. Nicht für dich. Nicht gegen dich. Einfach nur ohne dich.
Ich werde nicht mehr zuhören.
Du wirst leise werden.
Und du wirst die sein, die vergessen wird.
Du schimpfst mich ein Nichts, dabei bist du die, die keinen Wert mehr hat.
Ich bin fertig mit dir.
Claire